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Ekel-Alarm: Was die Lebensmittelüberwachung in einem Jahr alles findet

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Ekel-Alarm: Was die Lebensmittelüberwachung in einem Jahr alles findet
Polizei und Veterinäramt kontrollieren einen Lkw an der Autobahn-Raststätte

In der Wieslocher Außenstelle des Landratsamts liegen Akten auf dem Tisch, die den Alltag der Lebensmittelüberwachung im Rhein-Neckar-Kreis in Zahlen und nüchternen Beschreibungen abbilden. Es sind Berichte über Reismehlkäfer in Silos, Rattenbefall in Lagerräumen oder Gemüse, das auf dem Boden in einer Blutlache lagert. Bilder, die das Team von Dr. Stefan Kaiser regelmäßig sieht, die aber nur einen Bruchteil der eigentlichen Arbeit ausmachen. Kaiser, Fachtierarzt für öffentliches Veterinärwesen, leitet seit Anfang 2026 das Referat Verbraucherschutz. Gemeinsam mit Amtsleiterin Dr. Dominika Hagel und Dezernentin Doreen Kuss hat er nun den Jahresbericht für 2025 vorgelegt.

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Transport von Lebensmittel zusammen mit Fleischabschnitten als Hundefutter für den privaten Gebrauch ©LRA

Es ist eine Bilanz der Genauigkeit: Knapp 3.000 Kontrollen in über 2.000 Betrieben haben die 16 Kontrolleure im vergangenen Jahr durchgeführt. Das Spektrum ihrer Besuche ist weit gefasst. Es reicht vom kleinen Straßenfest, an dem Ehrenamtliche selbst gebackenen Kuchen verkaufen, bis hin zu international agierenden Lebensmittelkonzernen mit Sitz im Landkreis.

Gefährliche Routine in Betrieben

Die nackten Zahlen des Berichts zeigen eine leichte Abnahme der Gesamtkontrollen im Vergleich zum Vorjahr. Die Intensität der Beanstandungen nahm in bestimmten Bereichen zu. In 16 Fällen war die Situation in den Betrieben so kritisch, dass eine vorübergehende Schließung angeordnet werden musste. Weitere sechs Betriebe durften Teilbereiche wie Lager oder Verkaufstheken vorerst nicht weiter nutzen. Diese landeten dann auf der sogenannten Ekel-Liste der Gesundheitsämter. „Das ist sowas wie ein Online-Pranger.“ Hier landen Betriebe, in denen die Kontrolleure heftige Verstöße auffinden.

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Autobahn-Unfall; Transport von Kalbfleisch zusammen mit diversen Gegenständen die nicht für den Transport zusammen mit Lebensmittel geeignet sind ©LRA

Dennoch warnt Dr. Kaiser vor einer Dramatisierung. „Grundsätzlich liegt die Betriebshygiene auf einem hohen Niveau“, betont er. Die Statistik stützt diese Beobachtung: Bei knapp der Hälfte der Kontrollen wurden keine Mängel gefunden, in weiteren 1.386 Fällen waren es lediglich Geringfügigkeiten wie beschädigte Fliesen oder Verschmutzungen an schwer zugänglichen Stellen. Der Kontrolldruck trifft auf eine Branche, die laut Kaiser unter Kostendruck und Fachkräftemangel leidet – Faktoren, die sich indirekt auch in der Instandhaltung der Betriebe niederschlagen können.

Die Kontrolle auf dem Asphalt

Ein besonderes Augenmerk legte das Amt 2025 auf den Fernverkehr. Da Logistikfahrzeuge an den Standorten der Unternehmen oft nicht anzutreffen sind, verlagert die Lebensmittelüberwachung ihre Arbeit regelmäßig auf die Autobahnen. In Zusammenarbeit mit der Polizei und der Tierschutzabteilung werden dort Lastwagen herausgewunken.

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Reismehlkäfer in einem Mehlsilo ©LRA

Dabei zeigt sich ein Muster: Der häufigste Grund für Beanstandungen ist eine unzureichende Kühltemperatur. Gelegentlich stoßen die Kontrolleure auch auf Mischtransporte, bei denen Lebensmittel ungeschützt neben Waren gelagert werden, die dort nicht hingehören. Es ist eine Arbeit unter Zeitdruck, bei der es oft um die Einhaltung technischer Grenzwerte geht, die über die Sicherheit ganzer Warenpartien entscheiden.

Vernetzung über Grenzen hinweg

Die Arbeit des Veterinäramts endet nicht an den Kreisgrenzen. Das europäische Schnellwarnsystem verbindet die Wieslocher Behörde mit dem Rest des Kontinents. Wenn in Griechenland eine Verunreinigung festgestellt wird, landet die Meldung wenig später auf den Bildschirmen im Rhein-Neckar-Kreis, um die hiesigen Lieferketten zu prüfen.

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Pinsel aus dem Baumarkt zum Bestreichen von Fleisch mit Tempurateigmasse ©LRA

Besonders deutlich wurde diese globale Verflechtung zum Jahreswechsel, als Säuglingsnahrung mit dem Bakterien-Toxin Cereulid kontaminiert war. Allein zu diesem Fall gingen 17 Meldungen beim Kreis ein. „Bei diesem mehrere Staaten betreffenden Rückruf mussten wir gezielt kontrollieren, ob die Produkte bereits weitervertrieben oder verarbeitet wurden“, erklärt Dr. Dominika Hagel. In solchen Fällen kann die Behörde einen EU-weiten Rückruf überwachen oder die Vernichtung von Waren anordnen.

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Offen, im Müllsack aufbewahrtes Fleisch in einer TK-Zelle ©LRA

Bilanz in Zahlen

Der Jahresbericht 2025 zeigt die operative Last der Überwachung. Die Anzahl der Bußgeldverfahren sank leicht auf 30 (Vorjahr: 41). Die Zahl der schriftlichen Mängelberichte stieg auf 557 an.

Kategorie Jahr 2025 Vorjahr (2024)
Durchgeführte Kontrollen 2.980 3.375
Kontrollierte Betriebe 2.057 2.389
Vorübergehende Schließungen 16 20
Strafverfahren 11 14
Mängelberichte 557 435

Redaktion
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