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Invasive Ameise macht sich in Sinsheim breit

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Invasive Ameise macht sich in Sinsheim breit
Photo by cp17 on Pixabay

Begrünte Dächer, Hochbeete und ein vor zwei Jahren fertiggestellte Schulgelände direkt am Feldrand. Das neue Schulzentrum von Steinsbergschule und Kindergarten hat sich äußerst ungemütliche Untermieter eingefangen. Die „Große Drüsenameise“ (Tapinoma magnum), eine invasive und extrem ausbreitungsstarke Art aus dem Mittelmeerraum, macht sich breit. Das Kuriose: Die winzigen Krabbeltiere belagern das neugebaute Areal. Die nur wenige Meter entfernten, schon seit Jahrzehnten bestehenden Gebäude im Berufsschulzentrum – Max-Weber-, Friedrich-Hecker- und Albert-Schweitzer-Schule – sind laut Behörden bislang verschont.

Begruente Daecher an der Steinsbergschule Sinsheim

Begrünte Dächer an der Steinsbergschule und Kindergarten in Sinsheim

Eingeschleppt im Blumentopf?

Ende Juni 2026 wurden die Ameisen erstmals auf dem Gelände entdeckt. Eigentümerin von Gebäude und Areal ist der Rhein-Neckar-Kreis. Dort heißt es auf Nachfrage, der Hauptbrennpunkt liege im Außenbereich des Kindergartens – genauer gesagt rund um das dortige Hochbeet. Einzelne Pioniere wurden aber auch schon im Gebäudeinneren gesichtet. Woher die Sechsbeiner plötzlich kommen, weiß das Landratsamt auf Anfrage nicht: Man habe keine Erkenntnisse darüber, wie die Ameisen auf das Areal gelangt seien.

Der Krabbel Hotspot liegt im Hochbeet auf dem Gelaende

Der Krabbel-Hotspot liegt im Hochbeet auf dem Gelände

Dass der Befall ausgerechnet an einem neuen Hochbeet seinen Ursprung nimmt, legt die Vermutung nahe, dass die Insekten über Pflanzmaterial, Substrate für die Dachbegrünung oder Erdlieferungen als blinde Passagiere importiert wurden. Ein Baumangel liege laut Kreis nicht vor, Gewährleistungsansprüche gebe es keine und Konsequenzen für künftige Neubauprojekte – etwa strenge Qualitätskontrollen bei Pflanzenerde – sehe man ebenfalls nicht vor. Man könne das Eindringen ohnehin nicht spezifisch verhindern, so die pauschale Antwort der Behörde.

Kammerjäger nutzt die Sommerferien

Für Entwarnung sorgt immerhin das Umweltbundesamt: Eine Gesundheitsgefahr für den Menschen geht von der Großen Drüsenameise nicht aus. Gebäude, Fassaden oder Leitungen haben laut Kreis bisher auch keinen Schaden genommen. Trotzdem versteht das beauftragte Schädlingsbekämpfungsunternehmen keinen Spaß. Da die Art riesige Superkolonien mit mehreren Millionen Tieren bilden kann, rückt ein Kammerjäger in den Sommerferien an. Weil während der Ferienzeit wenig Betrieb auf dem Gelände herrscht, werden großflächig Spezialköder ausgelegt und Sprüh-Verfahren eingesetzt.

Das Personal wurde angewiesen, Essen strikt in verschlossenen Boxen aufzubewahren, um den Ameisen keine Anreize zu schaffen. Ein schneller K.o.-Sieg ist allerdings nicht zu erwarten. Laut dem Schädlingsbekämpfer steht dem Gelände eine lange Bekämpfungs- und Beobachtungsphase bevor.

Stadt schlägt Alarm auf öffentlichen Flächen

Auch die Sinsheimer Stadtverwaltung warnt in dieser Woche und meldet gesicherte Vorkommen der Großen Drüsenameise im Stadtgebiet. Auf öffentlichen Flächen ist bereits eine Fachfirma im Einsatz, um Absackungen in Pflasterbelägen oder Schäden an Versorgungsleitungen zu verhindern. Privatgrundstücksbesitzern rät die Stadt zur erhöhten Wachsamkeit. Da sich die verzweigten Nester mühelos unter Grundstücksgrenzen hindurchziehen, sollten Nachbarn frühzeitig gemeinsam einen Kammerjäger engagieren. Wie weit sich Tapinoma magnum in Sinsheim bereits ausgebreitet hat, ist aus den bisherigen Mitteilungen von Stadt und Kreis nicht ersichtlich.

Landesweit haben die Winzlinge schon für Schäden und großes Aufsehen gesorgt. In Kehl unterhöhlten Ameisen Gehwege und sorgte für Strom- und Internetausfälle. Die ebenfalls stark befallene Stadt Karlsruhe hat dieses Jahr eine Stelle geschaffen um die Bekämpfung der invasiven Art zu Koordinieren.

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Photo by flockine on Pixabay

Dass der Mittelmeer-Import sich hierzulande wohlfühlt, ist eine Folge des Klimawandels. Durch milde Winter stirbt die Population in der kalten Jahreszeit nicht mehr ab. Ursprünglich gelangte Tapinoma magnum wohl über Pflanzenimporte in die EU und fasst seit 2009 in Deutschland Fuß. Weil die Art in manchen EU-Ländern wie Spanien oder Italien heimisch ist, darf sie von der EU nicht offiziell als „invasive Art von unionsweiter Bedeutung“ gelistet werden.

Das Bundesamt für Naturschutz führt die Ameise auf nationaler Ebene dennoch als „potenziell invasiv“ auf der Beobachtungsliste. Wegen ihrer gigantischen Vermehrungsrate und der ungebremsten Ausbreitung verdrängt sie heimische Arten und monopolisierte Ressourcen. Wer einmal von der Drüsenameise belagert wird, braucht viel Geduld, sagen Experten.

Redaktion
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