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Kreisausschuss befasst sich mit Armutsbekämpfung im Rhein-Neckar-Kreis

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Kreisausschuss befasst sich mit Armutsbekämpfung im Rhein-Neckar-Kreis
Symbolfoto ©jubu

Der Ausschuss für Soziales im Rhein-Neckar-Kreis trifft sich am Donnerstag, 20. November, um 14 Uhr zu seiner nächsten öffentlichen Sitzung im Landratsamt in Heidelberg. Dabei steht unter anderem ein Sachstandsbericht zur Armutsbekämpfung im Kreisgebiet auf der Tagesordnung. Die Sitzung findet im Sitzungssaal im 5. Obergeschoss statt. Neben weiteren Themen soll der Ausschuss zur Kenntnis nehmen, wie weit die Umsetzung des Strategiepapiers zur Armutsbekämpfung fortgeschritten ist. Die Maßnahmen laufen seit rund einem Jahr und betreffen verschiedene Lebensbereiche.

Netzwerk gegen Kinderarmut aufgebaut

Im Bereich Kinder, Jugendliche und Familien wurde das Projekt „Starke Kinder – Chancenreich“ gestartet. Der Rhein-Neckar-Kreis ist seit September 2025 Teil eines landesweiten Netzwerks zur Prävention von Kinderarmut. Ziel ist es, junge Menschen von der Geburt bis zum Berufseinstieg besser zu unterstützen. Dafür wurde ein Förderantrag beim Land gestellt und bewilligt. Das Land stellt 100.000 Euro zur Verfügung, der Landkreis beteiligt sich mit rund 72.500 Euro. Eine Projektkoordinatorin arbeitet nun an der Umsetzung, vor allem an armutssensiblen Ganztagsangeboten. Erste Partner sind das Pilgerhaus Weinheim, der Postillion e.V. und Silky4Future der Jugendagentur Heidelberg.

Mehr Angebote für Senioren in Quartieren

Für ältere Menschen wurde das Projekt „Alt und Jung – Gemeinsam stark“ entwickelt. Es wird mit 115.000 Euro aus Landesmitteln gefördert, der Kreis trägt mindestens 20 Prozent der Kosten. In Zusammenarbeit mit Mehrgenerationenhäusern und Familienzentren sollen vor Ort neue Angebote zur Armutsprävention entstehen. Ziel ist es, den sozialen Austausch in den Quartieren zu stärken und gezielt ältere Menschen zu unterstützen. Projektpartner sind Einrichtungen in Weinheim, Schriesheim, Bammental, Leimen und Wiesloch. Eine Koordinationsstelle wurde zum 1. Oktober 2025 eingerichtet und arbeitet seitdem vor Ort an der Umsetzung.

Niedrigschwellige Hilfe in Tagesstätten

Ein drittes Projekt mit dem Titel „Wir bauen Brücken – Gemeinsam gegen Armut“ richtet sich an Menschen, die zwar nicht obdachlos, aber von Armut bedroht sind. Die Tagesstätten der Wohnungslosenhilfe wurden dafür geöffnet und bieten seit 2025 zusätzliche Beratungs- und Hilfsangebote für weitere Zielgruppen wie Alleinerziehende, Senioren oder Menschen mit Behinderung an. Ziel ist es, durch Information, Beratung und konkrete Unterstützungsangebote Wege aus der Armut aufzuzeigen. Das Land unterstützt das Projekt mit 40.000 Euro, der Kreis steuert 100.000 Euro bei. Die Förderperiode endet im Februar 2026. Im Raum Schwetzingen läuft zudem ein eigenes Projekt der Caritas zu Bildung und Teilhabe.

Wohnraumanalyse zeigt Engpässe auf

Auch das Thema Wohnen spielt bei der Armutsbekämpfung eine zentrale Rolle. Deshalb hat der Landkreis das Pestel-Institut mit einer Wohnraumanalyse beauftragt. Die Untersuchung zeigt: Der Wohnungsbau im Kreis ist seit den 1990er Jahren stark zurückgegangen, während die Zahl der Einwohner und Beschäftigten gestiegen ist. Es fehlen vor allem bezahlbare Wohnungen, was sich besonders bei Menschen mit niedrigen Einkommen bemerkbar macht. Die Miet- und Kaufpreise sind in großen Städten des Kreises stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Außerdem stehen rund 4.500 Wohnungen leer, etwa 2.000 davon weniger als ein Jahr.

Nächste Schritte geplant

Die Ergebnisse der Wohnraumanalyse sollen im Frühjahr 2026 bei einer Veranstaltung mit Städten, Gemeinden und Wohnungsbaugesellschaften im Kreis vorgestellt werden. Dabei sollen auch gute Beispiele gezeigt und Strategien erarbeitet werden, wie mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Ziel ist es, Armut durch bessere Wohnverhältnisse langfristig zu verhindern. Die Gesamtkosten für die Umsetzung aller Projekte liegen bei 150.000 Euro und sind für den Haushalt 2026 eingeplant

Redaktion
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