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Letzte Arbeiten auf B45: Neuer Asphalt glänzt schon zwischen Hoffenheim und Zuzenhausen

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Letzte Arbeiten auf B45: Neuer Asphalt glänzt schon zwischen Hoffenheim und Zuzenhausen
Blick von oben auf die neue B45

Bergfest mit gemischten Gefühlen

Ein Blick aus der Vogelperspektive zeigt das ganze Ausmaß dieser Tage: Zwischen Hoffenheim und Zuzenhausen sieht die Bundesstraße 45 schon fast wieder unverschämt gut aus. Der Asphalt ist frisch gezogen, die Fahrbahnmarkierungen strahlen in reinem Weiß, und von schweren Baumaschinen ist weit und breit keine Spur mehr zu sehen. Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe meldet pünktlich zum Bergfest: Alles läuft exakt nach Zeitplan, am 8. Juni soll die Piste wieder frei sein. Doch während sich in der Baustelle die Ruhe vor dem Eröffnungs-Sturm breitet, tobt in den umliegenden Dörfern der nackte Verkehrswahnsinn.

Blick auf die Fraeskante. Am Ortseingang Zuzenhausen endet die neue Asphaltschicht 3

Blick auf die Fräskante. Am Ortseingang Zuzenhausen endet die neue Asphaltschicht

Offizielle Umleitung wird ignoriert

Es ist das eingetreten, was Ortskundige bereits vor Wochen befürchteten: Die offizielle, 22 Kilometer lange XXL-Umleitung über Waibstadt und die B292 wird von vielen ignoriert. Navigationsgeräte nutzen ihr Wissen – und schicken die Blechlawine quer durch enge Wohngebiete der Nachbarorte.

„Sie erreichen mich gerade vor dem Rathaus in Waibstadt“, berichtet der Daisbacher Ortsvorsteher Daniel Grasmick am Telefon. Er versucht händringend, beim Hauptamt die Daten der örtlichen Geschwindigkeitstafel einzufordern. Grasmicks Verdacht: In der durchgehenden Tempo-30-Zone seines Ortsteils wird gerast, was das Zeug hält. Seit Beginn der Sperrung hat der Verkehr drastisch zugenommen.

Die Arbeiten scheinen zum groessten Teil schon abgeschlossen 2

Die Arbeiten auf er B45 scheinen zum größten Teil schon abgeschlossen

Daisbach ächzt unter Ausweichverkehr

Grasmick wohnt selbst direkt an der Ortsdurchfahrt und durfte neulich sogar einem Kamera-Team der SWR Landesschau demonstrieren, was die Sperrung für seinen Alltag bedeutet: Minutenlang stand er mit seinem Peugeot im Hof und wartete auf eine Lücke, um überhaupt rückwärts ausparken zu können. Regelmäßig kommt es in den engen Kurven zum Infarkt, wenn sich zwei 40-Tonner mit Anhängern an den am Rand geparkten Autos vorbeischlängeln wollen. „Ich wäre wahrscheinlich auch nicht besser und würde die Abkürzung nehmen“, meint Grasmick – immerhin ist der Weg über Daisbach legal,  solange man kein Gefahrgut geladen hat. Seine Forderung nach einer generellen Lkw-Sperrung verhallt bislang ungehört.

Die Verkehrsbelastung ist für den Ortsvorsteher nur die eine Seite der Medaille. Ihm bereitet auch der Zustand der ramponierten Strecke zwischen Daisbach und der B292 große Sorgen. Die Trasse ist seit Jahren sanierungsbedürftig. Grasmick hofft inständig drauf, dass die gebeutelte Verbindungsstrecke endlich auf einer Prioritätenliste für die Sanierung landet.

Nadelöhr in Zuzenhausen

Noch wilder geht es in Zuzenhausen zu. Wer die Route über die Neufeldsiedlung nimmt, spart zwar 16 Kilometer Fahrtweg, quält sich aber durch Straßen, die für diesen Ansturm nie gebaut wurden. Die Horrenberger Straße wurde deshalb zwei Wochen nach Sperrbeginn eilig von Tempo 50 auf 30 heruntergeregelt. Für Lkw ist der Weg hier komplett dicht – eigentlich.

Tempo 30 statt 50 gilt seit Kurzem in der Horrenberger Strasse in Zuzenhausen. Anwohner hatten sich uebe den Krach beschwert

Tempo 30 statt 50 gilt seit Kurzem in der Horrenberger Straße in Zuzenhausen. Anwohner hatten sich übe den Krach beschwert

„Trotzdem fahren die 40-Tonner hier durch“, schimpft ein genervter Anwohner, der sich bei der Redaktion gemeldet hat. Das Ergebnis: Dauerstau, Hupkonzerte und Frust. Die Stadt Sinsheim hat immerhin reagiert und in Hoffenheim am Ortseingang aus Richtung Neufeldsiedlung einen mobilen Blitzeranhänger postiert. Laut Stadtsprecherin Melanie Wricke bleiben die geparkten Autos in der Horrenberger Straße übrigens bewusst stehen: Sie dienen als natürliche „Verkehrsbremse“, um die Geschwindigkeit der Ausweichler nachweislich zu dämpfen. Gegen die privaten Navis, die die Fahrer in die Irre leiten, sei man technisch machtlos.

Unmittelbar am Epizentrum der Sperrung sitzt Tilmann Werner, geschäftsführender Gesellschafter der Biermanufaktur Dachsenfranz in Zuzenhausen. Für seinen Betrieb ist die gesperrte Achse mitten in der beginnenden Festsaison ein logistischer Kraftakt. Eine Fahrt nach Sinsheim dauert nun doppelt so lange.

Hinzu kam in den ersten Wochen skurrile Wendemanöver direkt vor seiner Haustür. Weil Schilder ignoriert wurden, rollten Lkw und Sattelzüge im Minutentakt bis zur ultimativen Barrikade – und mussten dann auf Werners Hof mühsam wenden. „Einmal haben sich zwei Sattelzüge kurz vor den Sperrschildern sogar noch überholt“, erzählt Werner. Erst nach zähem Ringen mit den Behörden und einem Anruf im Rathaus wurde vor einer Woche mitten in der Nacht eine halbseitige Sperrung aufgebaut, die den Suchverkehr nun frühzeitig nach rechts in die Horrenberger Straße ableitet.

Auf Beschwerden der Dachsenfranz Brauerei stellte das Regierungspraesidium eine zusaetzliche Absperrtafel auf

Auf Beschwerden der Dachsenfranz Brauerei stellte das Regierungspräsidium eine zusätzliche Absperrtafel auf

Einweihungsfest geplant

Die Betroffenen der B45-Umleitung versuchen derweil, Galgenhumor zu beweisen. Brauereichef Tilmann Werner macht aus der Not eine Tugend: Am 3. Juni ab 18.30 Uhr – dem Abend vor Fronleichnam – schmeißt er direkt auf der ansonsten so vielbefahrenen, gesperrten Bundesstraße vor seiner Brauerei ein Straßenfest. Dort stehen dann ein DJ, ein Bierwagen. Es gibt Steaks und Bratwürste. Es ist wohl das einzige Mal, dass die Anwohner der B45 die Ruhe auf ihrer Straße freiwillig brechen – „Mit einem frisch gezapften Dachsenfranz in der Hand“, sagt Werner schmunzelnd.

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