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Provisorien sollen Wartezeit aufs neue Feuerwehr-Gerätehaus Bad Rappenau überbrücken

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Provisorien sollen Wartezeit aufs neue Feuerwehr-Gerätehaus Bad Rappenau überbrücken
Wie lange die Feuerwehr hier noch bleibt ist unklar

Ein Blick zurück und nach vorn

Wenn Felix Mann, Leiter der Feuerwehr Bad Rappenau, über die aktuelle Situation seiner Wehr spricht, schwingt eine Mischung aus Stolz auf das Geleistete und leiser Resignation über die äußeren Umstände mit. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde deutlich: Während die Technik moderner wird, stoßen die Gebäude längst an ihre Grenzen. Die Wehr verwaltet den Mangel – und das auf beachtlichem Niveau

Kleideranprobe im Container. Sogar die Notunterkunft ist auf Kante genaeht 2

Kleideranprobe im Container. Sogar die Notunterkunft ist auf Kante genäht

Was wie eine Schlagzeile aus den frühen 2000er-Jahren klingt, ist in der Kurstadt traurige Aktualität: Die Feuerwehr bekommt jetzt Rauchmelder. Im vergangenen Jahr hat die Wehr im Gerätehaus sowie in allen Fahrzeugen Rauchwarnmelder installiert. Gekoppelt an die eigene Alarmierungs-App, schaut im Ernstfall eine Führungskraft nach dem Rechten – eine pragmatische Lösung, da eine direkte Aufschaltung als Brandmeldeanlage den Kostenrahmen gesprengt hätte. In Neubauten wie dem Feuerwehrhaus in Grombach ist das längst Standard, doch das Bad Rappenauer Hauptquartier ist von „Standard“ weit entfernt.

Conrad Wagenbach prueft den neuen Rauchmelder im Loeschfahrzeug 1

Conrad Wagenbach prüft den neuen Rauchmelder im Löschfahrzeug

Die nackten Zahlen des Jahresberichts 2025 sprechen eine deutliche Sprache: Mit 214 Einsätzen blieb die Belastung auf dem konstant hohen Niveau des Vorjahres (217 Einsätze). Hinter der Statistik verbergen sich Schicksale, die auch gestandene Retter nicht kalt lassen. Der schlimmste Einsatz des Jahres führte die Wehr am 10. März auf die A6. Ein Geisterfahrer verursachte kurz vor der Ausfahrt Sinsheim-Steinsfurt einen Frontalzusammenstoß. Die Bilanz: Zwei Tote, eine Trümmerstrecke von 200 Metern und eine technische Rettung, die den 30 Einsatzkräften alles abverlangte. „Direkt nach dem Einsatz wurde allen Kräften die Möglichkeit geboten, über das Erlebte zu sprechen“, heißt es nüchtern im Bericht – ein Verweis auf die psychische Belastung, die das Ehrenamt mit sich bringt.

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Der Geisterfahrerunfall auf der A6 bei Sinsheim-Steinsfurt

Eigentlich stünden alle Zeichen auf Start für das neue Feuerwehrhaus in der Riemenstraße. Das Gelände des ehemaligen Autohauses Rau wurde bereits vermessen und das Grüngut „auf Stock gesetzt“ – Verwaltungssprache für eine Rodung. Doch der Neubau des „Rappsodie“-Solebads hat Vorrang. Weil man sich 2021 nicht auf einen Standort einigen konnte, landete die Feuerwehr auf dem Warteschleifen-Gleis.

Hier will die Feuerwehr Bad Rappenuau ihr neues Domizil bauen. Ein Teil ist schon gerodet 5

Hier will die Feuerwehr Bad Rappenuau ihr neues Domizil bauen. Ein Teil ist schon gerodet

Die Konsequenz ist eine Container-Landschaft in der Raiffeisenstraße. Da das alte Gebäude aus allen Nähten platzt, dienen mittlerweile sechs Container als Kleiderlager und Büros. Fahrzeuge, die nicht mehr in die acht zu kleinen Stellplätze passen, stehen unter improvisierten Überdachungen im Freien. Das Dach der Wache ist undicht, es regnet herein. Kommandant Felix Mann blickt mit Sorge auf den neuen Bedarfsplan 2026: „Der Ist-Zustand lässt nichts Gutes ahnen“.

Das Containerdorf dient als Lager ein Dach dazwischen ermoeglicht das Unterstellen der Fahrzeuge

Das Containerdorf dient als Lager, ein Dach dazwischen ermöglicht das Unterstellen der Fahrzeuge

Trotz der widrigen Umstände investiert die Stadt in die Ausrüstung. Neu im Fuhrpark ist ein Gerätewagen-Transport (GW-T), der seit Dezember im Dienst ist. Ein ehemaliger Gerätewagen-Gefahrgut wurde in Eigenregie zum „Gerätewagen Unwetter“ umgebaut – eine direkte Antwort auf die zunehmenden Starkregenereignisse. In Wollenberg wurde zudem ein altes Wasserproblem gelöst: Bislang hing der Druck in den Leitungen des Ortsteils von elektrischen Druckerhöhungsanlagen ab. Bei einem Stromausfall hätte in der Hochzone das Wasser gefehlt. Durch den neuen Hochbehälter des Zweckverbands Mühlbachgruppe ist die Versorgung nun netzunabhängig gesichert. Noch in diesem Jahr soll eine moderne Abgas-Absauganlage im Gerätehaus in der Raiffeisenstraße installiert werden, um die Gesundheit der Einsatzkräfte vor krebserregenden Dieselabgasen zu schützen. Dass diese teure Technik nun doch eingebaut wird, ist eine Notwendigkeit des Arbeitsschutzes, aber keine verschwendete Investition: Wenn die Feuerwehr auszieht, soll der städtische Bauhof das gesamte Gebäude übernehmen.

Personell ist die Lage zweigeteilt. Während die Gesamtwehr 240 Aktive zählt, bereiten die Abteilungen Heinsheim und Wollenberg Sorgen. Dort ist die Personaldecke so dünn, dass bei Einsätzen tagsüber Nachbarwehre mitalarmiert werden müssen. Einige Aktive werden zu alt für den Löschdienst, zudem arbeiten viele Feuerwehrleute tagsüber außerhalb, was die Tagesverfügbarkeit einschränkt. Die Wehr reagiert mit logistischen Anpassungen: Für Heinsheim wird tagsüber die Feuerwehr Gundelsheim mitalarmiert. Bei Einsätzen in Wollenberg rücken Kräfte aus Hüffenhardt mit aus, Wollenberg fährt umgekehrt nach Hüffenhardt. Möglicherweise wird künftig auch Bargen in diese Alarmierungskette integriert; erste Erprobungen gab es bereits. Eine Auflösung der Standorte steht nicht zur Debatte; neue Fahrzeuge werden auch weiterhin beschafft. Man hofft auf Zuzug, etwa im Neubaugebiet Heinsheim. Ein Lichtblick ist die Jugendfeuerwehr: Mit 121 Mitgliedern ist die Quote hervorragend. Acht Jugendliche konnten 2025 in den aktiven Dienst übernommen werden. Um das Ehrenamt zu stärken, investiert die Führung intern. Jeder erhält einheitliche Freizeitkleidung zur Identifikation, Führungskräfte wurden in speziellen Seminaren geschult.

Doch die Motivation leidet unter fehlender Anerkennung von oben. Die baden-württembergische Ehrenamtskarte, die Freiwilligen landesweit Anerkennung und Vergünstigungen gewähren soll, wird im Landkreis Heilbronn bislang nicht umgesetzt. „Umso mehr wir uns als Feuerwehr anstrengen um Mitglieder zu werben, desto mehr ist es jedoch auch fragwürdig, frustrierend und enttäuschend, dass Initiativen wie die Ehrenamtskarte Baden-Württemberg als landesweites Anerkennungsprogramm in unserem Landkreis wie in vielen anderen Landkreisen nicht zur Umsetzung gebracht werden“, bilanziert Conrad Wagenbach, stellvertretender Stadtkommandant.

Der 90er Jahre Anbau im Feuerwehrhaus hat Setzrisse bekommen 2

Der 90er-Jahre-Anbau im Feuerwehrhaus hat Setzrisse bekommen

Was bleibt ist das Bild einer Feuerwehr, die hochprofessionell arbeitet, aber von der Stadtverwaltung vertröstet wird. Man besichtigte zwar gemeinsam das moderne Feuerwehrhaus in Metzingen, um „Größe und Dimension“ eines Neubaus zu verstehen. Doch bis in Bad Rappenau der erste echte Stein auf dem Autohaus-Areal liegt, werden die Retter wohl noch einige Winter in ihren Bürocontainern verbringen müssen.

Redaktion
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