Rückgang stoppt – etwa 140.000 Abschlüsse pro Jahr
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in Baden-Württemberg deutlich zurückgegangen. Grund dafür war vor allem die demografische Entwicklung, also die Zahl der Geburten in früheren Jahren. Nach Angaben des Statistisches Landesamt Baden-Württemberg wird sich dieser Rückgang in den kommenden 15 Jahren jedoch nicht fortsetzen.
Die Zahl der jungen Menschen, die mit einem allgemeinbildenden Schulabschluss von allgemeinbildenden oder beruflichen Schulen abgehen, wird sich voraussichtlich bei jährlich gut 140.000 stabilisieren. Das sind rund 30.000 weniger pro Jahr als im Zeitraum von 2005 bis 2015.
Ab 2039 erneuter Rückgang erwartet
Erst ab dem Jahr 2039 rechnen die Statistiker wieder mit einem dauerhaften Rückgang der Schulabgängerzahlen. Dieser hängt vor allem mit der Geburtenentwicklung der vergangenen 20 Jahre zusammen. Weniger Geburten bedeuten später auch weniger Schülerinnen und Schüler.
Diese Entwicklung könnte nur gebremst werden, wenn verstärkt Minderjährige und junge Erwachsene nach Baden-Württemberg zuziehen. Grundlage der Berechnungen sind die aktuelle Bevölkerungsfortschreibung sowie eine Bevölkerungsvorausberechnung mit einer anhaltend niedrigen Geburtenrate von 1,44 Kindern je Frau und einer jährlichen Nettozuwanderung von 55.000 Personen.
Veränderungen bei den Schulabschlüssen
Auch bei den einzelnen Abschlüssen werden Veränderungen erwartet. Durch die Abschaffung der Möglichkeit, an Haupt- und Werkrealschulen einen Werkrealschulabschluss zu erwerben, wird ab dem Abgangsjahr 2029 mit einer deutlichen Zunahme der Hauptschulabschlüsse gerechnet. Ihre Zahl soll auf gut 28.000 steigen. Im Jahr 2024 waren es rund 22.400.
Die Zahl der Fachhochschulreifen wird dagegen voraussichtlich zurückgehen, von rund 12.400 im Jahr 2024 auf knapp 11.000. Der mittlere Schulabschluss bleibt weiterhin der häufigste Abschluss mit jährlich rund 54.000 Abgängerinnen und Abgängern. Allerdings wird hier ein leichter Rückgang erwartet (2024: rund 55.700).
Die Zahl der Hochschulzugangsberechtigungen, also der Abschlüsse, die zum Studium berechtigen, wird leicht auf knapp 44.000 steigen (2024: rund 42.900).
Sondereffekt durch Rückkehr zu G9
Eine Besonderheit zeigt sich im Jahr 2032. Dann werden voraussichtlich nur knapp 19.000 Schülerinnen und Schüler eine Hochschulreife erwerben. Das ist weniger als die Hälfte eines üblichen Jahrgangs. Ursache ist die flächendeckende Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9).
Dieser sogenannte „doppelte Jahrgangseffekt“ wird sich auch auf die Zahl der Studienanfänger im Wintersemester 2032/33 auswirken. Ebenso werden in diesem Jahr weniger Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulreife für die duale Berufsausbildung und andere Bildungsgänge des beruflichen Schulsystems zur Verfügung stehen.
Berufliche Schulen: zunächst leichter Anstieg
Da die Zahl der allgemeinbildenden Schulabschlüsse vorerst nicht weiter sinkt, wird auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht weiter abnehmen. Bis zum Schuljahr 2030/31 könnte sie sogar um rund 9.000 beziehungsweise 2,3 Prozent auf gut 400.000 steigen.
Nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen wird bis zum Schuljahr 2037/38 wieder ein Anstieg auf rund 408.000 erwartet.
Die größte Schulart innerhalb der beruflichen Schulen sind die Teilzeit-Berufsschulen. Dort wird der schulische Teil der dualen Berufsausbildung absolviert. Ihre Schülerzahl könnte von 176.400 im Schuljahr 2024/25 auf knapp 193.000 im Schuljahr 2037/38 steigen.
Allerdings hängt die Entwicklung an beruflichen Schulen stark vom Angebot an Ausbildungsplätzen und damit auch von der wirtschaftlichen Lage ab. Deshalb sind die Vorausberechnungen hier mit größeren Unsicherheiten verbunden als bei allgemeinbildenden Schulen.
Verschiebungen im beruflichen Schulwesen
Die Berechnungen zeigen außerdem eine Verschiebung von Berufsfachschulen hin zu Vollzeit-Berufsschulen. Hintergrund ist die Stärkung der Bildungsgänge „Ausbildungsvorbereitung“ und „Ausbildungsvorbereitung dual“. Diese ersetzen das frühere Vorqualifizierungsjahr und das Berufseinstiegsjahr.
Derzeit wird zudem über eine umfassende Reform der dualen Berufsausbildung diskutiert. Mögliche Auswirkungen solcher Reformen konnten in der aktuellen Schülervorausberechnung noch nicht berücksichtigt werden.
Hinweise zur Berechnung
Die Schülervorausberechnung wird jährlich im Auftrag des Kultusministeriums erstellt. Die Ergebnisse wurden auf volle 100 gerundet, sodass es bei Summen zu kleinen Abweichungen kommen kann.
Zu beachten ist außerdem, dass rund ein Viertel der allgemeinbildenden Schulabschlüsse an beruflichen Schulen erworben wird. Diese Personen werden häufig zweimal als Schulabgänger gezählt – einmal beim Verlassen der allgemeinbildenden Schule und erneut beim Abschluss an einer beruflichen Schule. Dadurch steigt die Zahl der erfassten Abschlüsse, ohne dass sich die Zahl der jungen Menschen, die tatsächlich in den Arbeitsmarkt eintreten, entsprechend erhöht.













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