Im Schritttempo in die 2030er Jahre
Der schier endlose Weg
Warum geht es nicht weiter
Heute, im Februar 2026, ist das Jahr 2020 längst verblichene Geschichte. Von Erdschiebern oder Asphaltfräsen fehlt auf der Strecke jede Spur. Stattdessen bestätigt das zuständige Regierungspräsidium auf aktuelle Nachfrage nüchtern, dass das Gesamtprojekt von einer flächendeckenden Umsetzung denkbar weit entfernt ist. Die Planer haben umgeschwenkt – von der großen Lösung zur behördlichen Salami-Taktik. Der Ausbau wird nun in „verkehrswirksame Teilabschnitte“ zerlegt, die mühsam einzeln bearbeitet und veranschlagt werden.
Die Gründe sind komplex
So soll die neue B 292 aussehen
3,6 Prozent der Baustrecke sollen nächstes Jahr in Angriff genommen werden
Wie es nach diesem symbolischen Spatenstich in Richtung Waibstadt weitergeht, ist derzeit reines Papier. Der direkt anschließende zweite Bauabschnitt befindet sich laut RP noch in der Entwurfsplanung. Das Ziel der Behörde: Ende 2026 soll dieser Entwurf fertig sein und den Ministerien zur Genehmigung auf den Tisch flattern. Doch selbst wenn dieser Termin auf den Monat genau gehalten wird, winken Fachleute ab. Eine ministerielle Genehmigung bedeutet noch lange kein Baurecht. Dafür braucht es ein formelles Planfeststellungsverfahren. Erst wenn das ohne erfolgreiche juristische Gegenwehr abgeschlossen ist, dürfen Aufträge vergeben werden. Ohne unvorhergesehene Stolpersteine oder Klagen, so die eiserne Erfahrung bei solchen Infrastrukturprojekten, vergehen vom Einreichen des Entwurfs bis zur Ankunft der ersten Maschinen gut und gerne vier bis sieben Jahre. Wer also auf einen zügigen Weiterbau der B292 hofft, sollte einen langen Atem mitbringen: Ein realistischer Baustart für die restliche Strecke bis Waibstadt rückt damit frühestens in die Jahre 2031 bis 2034.
Kommentar unserer Redaktion
Während die Politik in Berlin und Stuttgart gebetsmühlenartig den „Bau-Turbo“ und die Planungsbeschleunigung beschwört, erleben die Menschen an der B 292 in Waibstadt und Helmstadt ein planerisches Debakel in Zeitlupe. Was 2016 noch als Aufbruch mit Bürger-Workshops und einem Baustart für 2020 angekündigt wurde, ist zehn Jahre später zu einem Lehrstück für bürokratischen Stillstand geworden.
Dass das Regierungspräsidium heute – exakt ein Jahrzehnt nach den großen Versprechungen – für den Hauptabschnitt erneut über „Variantenuntersuchungen“ spricht, ist ernüchternd. Plötzlich angeführte Hindernisse wie Starkstromleitungen oder komplexe Bahnquerungen wirken nach 40 Jahren Gesamtdiskussion eher wie eine bequeme Ausrede, um das Projekt im Stapel der unerledigten Akten ganz nach unten zu schieben. In Zeiten klammer öffentlicher Kassen drängt sich der Verdacht auf: Was sich in endlosen Vorprüfungen verstrickt, kostet erst einmal kein Bau-Geld.
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass die 75 Millionen Euro, die einst als Kostenpunkt durch die Schlagzeilen geisterten, angesichts der aktuellen Baupreise wohl eher als Anzahlung zu verstehen sind. Und während die Brückenprüfer alle drei Jahre brav die Standfestigkeit der Überführungen in Waibstadt bestätigen, warten die Bürger weiterhin auf den großen Wurf.
Die Salami-Taktik, mit der nun der Umbau der Daisbacher Höhe für 2027 als Erfolg verkauft wird, täuscht nicht darüber hinweg, dass die eigentlichen Probleme – der fehlende Lärmschutz in den Ortslagen und die Entschärfung der Unfallschwerpunkte – auf dem Abstellgleis gelandet sind. Wer den Krach der vorbeirasenden Fahrzeuge auf das Stockwerk genau berechnet, aber am Ende nur 220 Meter Baustrecke als Fortschritt verkauft, hat den Anschluss an die Realität längst verloren. Die Welt redet über Beschleunigung und an der B 292 wird weiter geplant, geprüft und vertagt. Sollte das Tempo so bleiben, wird die Generation, die die ersten Planungen mitgemacht hat, die Fertigstellung wohl kaum noch hinter dem Steuer erleben.
















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