Im Rhein-Neckar-Kreis ist 2025 weniger Hausmüll angefallen als im Vorjahr. Bei Biomüll und Wertstoffen liegt der Kreis weiterhin deutlich über dem Landesdurchschnitt. Ganz sortenrein läuft die Sache allerdings nicht: Rund 30 Prozent dessen, was in der Grünen Tonne plus landet, gehört dort eigentlich nicht hinein.
Die gute Nachricht zuerst: Die Menschen im Rhein-Neckar-Kreis haben 2025 weniger Müll produziert. Jedenfalls weniger von dem Müll, der am Ende als Haus- und Sperrmüll entsorgt werden muss.
Das geht aus der neuen Abfallbilanz des Landes Baden-Württemberg hervor. Demnach fielen im Rhein-Neckar-Kreis 67.261 Tonnen nicht verwertbarer Haus- und Sperrmüll an. Das entspricht 120 Kilogramm pro Einwohner und damit drei Kilogramm weniger als im Vorjahr.
Der Landesdurchschnitt liegt bei 136 Kilogramm.
Bei den gesamten häuslichen Abfällen fiel der Rückgang im Rhein-Neckar-Kreis sogar deutlicher aus als anderswo: Die Menge sank um zwölf Kilogramm pro Kopf. Landesweit waren es lediglich vier Kilogramm weniger.
Weniger Biomüll – wegen weniger Rasenschnitt
Auch in der braunen beziehungsweise im Rhein-Neckar-Kreis sogenannten BioEnergieTonne landete weniger.
47.881 Tonnen Bioabfälle wurden 2025 gesammelt. Ein Jahr zuvor waren es noch 50.583 Tonnen. Pro Einwohner sank die Menge von 91 auf 86 Kilogramm.
Damit sammelt der Rhein-Neckar-Kreis allerdings weiterhin erheblich mehr Biomüll als Baden-Württemberg insgesamt. Landesweit sind es durchschnittlich gerade einmal 55 Kilogramm je Einwohner.
Für die AVR Kommunal ist das ein Grund zur Zufriedenheit. Die BioEnergieTonne gebe es schließlich bereits seit 2012, betont Geschäftsführerin Katja Deschner.
Dass trotzdem weniger darin gelandet ist, hat nach Angaben der AVR ausgerechnet mit dem Wetter zu tun. Der trockene Sommer habe für weniger „krautigen Grünschnitt“ gesorgt – also beispielsweise weniger Rasenschnitt.
Aus den eingesammelten Bioabfällen entstehen unter anderem Bio-Erdgas und Kompost. Deschner sieht in der getrennten Sammlung deshalb einen „wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende“.
Was eine Eierschale so alles leisten kann.
Weniger Papier, mehr Wertstoffe als anderswo
Auch bei den Wertstoffen gingen die Mengen zurück: um vier Kilogramm pro Einwohner.
Mit durchschnittlich 160 Kilogramm je Einwohner liegt der Rhein-Neckar-Kreis trotzdem deutlich über dem baden-württembergischen Durchschnitt von 143 Kilogramm.
Rund 56.000 Tonnen Wertstoffe wurden 2025 über die Grüne Tonne plus eingesammelt und anschließend in der Wertstoffsortieranlage in Sinsheim verarbeitet.
Bei Papier, Pappe und Karton geht die Menge dagegen schon länger zurück. Die AVR hat dafür auch eine Erklärung: „Wir führen die sinkenden Mengen unter anderem auf die nachlassende Nutzung von Printmedien zurück“, sagt Deschner.
Weniger Zeitung, weniger Altpapier. Wenig überraschend.
Das Problem mit den Windeln
Interessanter wird es beim Inhalt der Grünen Tonne plus.
Denn obwohl die AVR die dort gesammelten Wertstoffmengen lobt, besteht offenbar noch beträchtlicher Nachholbedarf bei der Frage, was überhaupt ein Wertstoff ist.
Rund 30 Prozent des Inhalts der Grünen Tonne plus sind Fehlwürfe.
Besonders häufig finden die Mitarbeiter dort Dinge, die mit Wertstoffsammlung wenig zu tun haben: gebrauchte Windeln, Elektrogeräte und Hygieneprodukte wie Feuchttücher, Wattestäbchen und Wattepads.
Diese Störstoffe müssen laut AVR zeit- und kostenaufwendig aussortiert werden – teilweise von Hand.
Eine gebrauchte Windel aus einer Sortieranlage zu fischen, dürfte jedenfalls zu den weniger komfortablen Teilen des ansonsten von der AVR als „modern und komfortabel“ beschriebenen Abfallwirtschaftssystems gehören.
Um die Fehlwürfe zu reduzieren, betreiben die AVR-Unternehmen bereits seit 2021 die Informationskampagne „Trenn‘ doch einfach“. Sie soll den Einwohnern erklären, welcher Müll wohin gehört und insbesondere, was in die Grüne Tonne plus darf.
Nach fünf Jahren Kampagne liegt die Fehlwurfquote bei rund 30 Prozent.
Da scheint also noch etwas Trennungsbedarf zu bestehen.
„Erfüllen uns mit Stolz“
Mit der Entwicklung insgesamt ist AVR-Geschäftsführerin Deschner dennoch zufrieden.
Die bereits erreichten Wertstoffmengen über BioEnergieTonne und Grüne Tonne plus, sagt sie, „erfüllen uns mit Stolz auf unser modernes und komfortables Abfallwirtschaftssystem, das von den Einwohnerinnen und Einwohnern des Kreises hervorragend genutzt wird“.
Das kann man so sehen.
Man kann allerdings auch festhalten: Im Rhein-Neckar-Kreis fällt weniger Restmüll an als im Landesdurchschnitt, bei Bioabfällen und Wertstoffen wird vergleichsweise viel getrennt gesammelt – und gleichzeitig besteht fast ein Drittel des Inhalts einer der wichtigsten Wertstofftonnen aus Dingen, die dort überhaupt nichts verloren haben.
Die Abfallbilanz hat also durchaus gute Nachrichten.













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